Bei einigen Saxophonen, so zum Beispiel beim Sopransaxophon von Yanagisawa oder dem Selmer SAII-Baritonsaxophon kann sich bei bestimmten Tönen wie etwa D'' oder G'' ein leises Zischen von Luft durch das Oktavloch am Korpus bemerkbar machen, das der Zuhörer zwar kaum, der Spieler dafür umso mehr bemerkt.

Um diese etwas nervigen Geräusche wirkungsvoll zu eliminieren, braucht man ein kleines Stück Nylon-Damenstrumpf (nein, das ist kein Scherz!) und einen Faden, einen feinen Gummi oder etwas ähnliches. Nun schneidest Du aus dem Strumpf ein so großes Stück aus, dass Du an den Seiten problemloxs kleine Löcher bohren kannst, um dort den Faden/Gummi zu befestigen. Jetzt legst Du das Stück Textil deckend über das Oktavloch (keine Sorge, es ist ja sehr transparent und behindert die Funktion der Klappe keinesfalls) und fixierst es mit dem Faden oder besagtem Gummi, das Du rund um den Saxophonkorpus bindest.

Wichtig: Der Faden/dder Gummi  darf natürlich nicht die Arbeit der restlichen Klappen stören. Durch das kleine Stück Damenstrumpf werden die Zischgeräusche tatsächlich beseitigt – und man hat mit Sicherheit immer ein Gesprächsthema mit neugierigen Kollegen!

Zirkularatmung ist eine spezielle Atemtechnik, die von Blasinstrumentalisten angewandt wird, um mit dem Blasinstrument sehr lange ununterbrochene Töne zu spielen. Normalerweise entspricht die längste Dauer eines Tones auf einem Blasinstrument einer Lungenfüllung, danach muß man wohl oder übel Luft holen - und dies führt bei fast allen Blasinstrumenten (außer der Mundharmonika) dazu, daß der Ton endet. Mit Zirkularatmung ist man jedoch in der Lage, einen gewissen Luftvorrat im Rachen- und Mundraum anzulegen und in das Mundstück einfließen zu lassen, während man gleichzeitig durch die Nase einatmet.Mit täglich 10 Minuten Übung kann man das erlernen. Du profitierst von den Übungen der Zirkularatmung so umfassend für Dein gesamtes Spiel, daß es am besten ist, wenn Du möglichst früh damit beginnst.

Zirkularatmung kommt selten zum Einsatz, und ob es musikalisch wirklich interessant ist über einige Minuten einen Ton auszuhalten, sei dahingestellt - das Erlernen der Zirkularatmung hat ganz andere entscheidende Vorteile: Man setzt sich mit der Atmung und ihrer Bedeutung auseinander. Die Zirkularatmung erfordert eine starke Zwerchfellatmung und läßt den Bläser gut fühlen, wie diese funktioniert. Dies wiederum verbessert allgemein die Atemtechnik und damit unmittelbar den Klang und dessen Gleichmäßigkeit. Die eigentliche Problematik liegt nicht in der Zirkularatmung an sich oder im Erlernen derselben, denn diese kann man innerhalb kürzester Zeit erlernen. Problematisch ist vielmehr das "Umschalten" vom Ausblasen des Luftvorrates im Mund auf das Ausblasen der Lungenluft. Genau an diesem Punkt passiert es, speziell wenn man ein Mundstück "im Mund" hat, daß sich der Ansatz stark verändert und der Luftfluß/Ton schwankt. So ist diese Übung auch ein wertvoller Beitrag zum Erlernen der Ansatzstabilität.

Erster Schritt zur Zirkularatmung

Nimm ein normales Wasserglas, fülle es mit Wasser, nimm einen Strohhalm. Blase jetzt langsam durch den Strohhalm in das Wasser, so daß die Luftblasen gleichmäßig nach oben aufsteigen. Wähle am Anfang einen dünnen Strohhalm. Versuche jetzt, die Wangen mit möglichst viel Luft zu füllen und trotzdem gleichmäßig weiterzublasen.Wenn Du das kannst, dann stoppe die Luftzufuhr aus der Lunge und blase einfach mit dem Luftvorrat den Du in den Wangen gespeichert hast weiter, bis dieser aufgebraucht ist. Wiederhole dies einige Male bis Du es möglichst gleichmäßig beherrscht. Wenn Du das Gefühl hast, daß die Wangen wieder voll aufgeblasen und die Lungen etwa halb leer sind, dann versuche durch die Nase einzuatmen und gleichzeitig mit dem Luftvorrat aus den Wangen weiterhin den Luftstrom im Strohhalm aufrechtzuerhalten. Übe dieses bis Du es sicher kannst.

Jetzt kommt der Punkt, an dem Du nach dem Einatmen durch die Nase wieder auf Ausatmen umschalten mußt, aber nicht durch die Nase, sondern wieder durch den Mund - der Luftstrom durch den Strohhalm darf nicht abreißen! Fülle beim Ausatmen wieder die Wangen mit Luft, damit Du beim nächsten Zyklus genug Luft gespeichert hast. Der nächste Zyklus beginnt immer dann, wenn die Lungen nur noch zur Hälfte gefüllt sind. Wenn Du das kannst, hast Du die Zirkularatmung im Prinzip schon gelernt. Wenn Du willst, kannst Du jetzt einen dickeren Strohhalm benutzen. Damit wird die Zeit, in der sich die Wangen entleeren, kürzer und somit auch die Zeit, die Du zum Einatmen hast. Erst wenn Du diese Übung sicher beherrscht, solltest Du zu nächsten übergehen.

Zweiter Schritt zur Zirkularatmung

Ein wichtiger Punkt bei der Zirkularatmung ist, daß Du die Luft, die in den Wangen und im Rachenraum gespeichert ist, gleichmäßig durch das Mundstück ausströmen läßt. Da dies am Anfang mit Luft schwer zu erlernen ist, übe es jetzt mal mit Wasser. Stelle Dich dazu an ein Waschbecken und fülle Deinen Mund so voll wie möglich mit Wasser. Öffne jetzt ein wenig Deinen Mund und lasse das Wasser in einem dünnen Strahl aus dem Mund laufen. Beobachte dabei den Wasserstrahl und versuche, diesen möglichst gleichmäßig zu halten. Übe so lange, bis Du es sicher kannst. Versuche dabei auch gleichzeitig durch die Nase ein- und auszuatmen, sei aber vorsichtig, daß Du Dich nicht dabei verschluckst.

Dritter Schritt zur Zirkularatmung

Wie Du sicherlich in den vorhergehenden Übungen gemerkt hast, funktioniert das Aufblasen der Wangen nur dann, wenn die Mundöffnung relativ klein bzw. der Strohhalm relativ dünn ist. Bei der nächsten Übung sollst Du lernen, mit Deinem Saxophon einen gewissen Druck in den Wangen aufzubauen. Nimm jetzt Dein Instrument und spiele irgendeinen Ton im mittleren Register. Während Du den Ton spielst, versuche die Bahnöffnung zwischen Blatt und Mundstück so weit zu verkleinern, daß der Druck in den Wangen ansteigt und diese dick werden. Dabei soll der Klang möglichst unverändert bleiben! Auch wenn es nicht richtig ist, mit "dicken Wangen" zu spielen, so ist es doch gerade am Anfang wichtig, so zu üben. Später, wenn Du die Zirkularatmung beherrscht, wird Dir der Luftvorrat im Rachenraum reichen, am Anfang ist dieser Vorrat jedoch noch zu klein.

Vierter Schritt zur Zirkularatmung

Wenn Du jetzt spielst und schöne dicke Wangen hast unterbreche abrupt das Ausatmen aus der Lunge und lasse jetzt nur noch die Luft aus den Wangen ausströmen bis diese ganz leer sind. Achte darauf, daß der Klang deines Saxophons möglichst lange konstant bleibt. Die Probleme, die Du dabei in den Griff bekommen mußt, haben wenig mit Zirkularatmung, dafür um so mehr mit Deinem Ansatz zu tun. Es ist nämlich gar nicht so einfach, den Luftvorrat gleichmäßig in das Mundstück einströmen zu lassen und den Klang dabei nicht zu verändern, während sich die Wangen immer mehr zusammenziehen.

An dieser Stelle der Übungen solltest Du jetzt versuchen, Deinen Rachenraum wahrzunehmen. Versuche dabei auch, im Rachenraum soviel Luft wie möglich zu speichern. Du machst Dich ganz nebenbei auch mit Deinem Kehlkopf vertraut, der ja eine ganz besondere Bedeutung beim spielen der tiefen Töne hat. Viele Leute haben große Probleme, tiefe Töne auf dem Saxophon zu spielen, weil sich durch einen natürlichen Reflex der Kehlkopf verengt, sobald man das Mundstück in den Mund nimmt. Da aber besonders tiefe Töne einen großen Resonanzraum benötigen, kann man diese kaum mit einem verengten Kehlkopf spielen.Übe dieses alles sehr intensiv, damit die Spieldauer mit der Luft in Deinem Mund möglichst lang wird, denn Du hast später nur diese Zeit, um durch die Nase einzuatmen!

Fünfter Schritt zur Zirkularatmung

In der jetzigen Übung wirst Du Dich mit dem Einatmen befassen. Wie Du in den vorhergehenden Übungen bemerkt hast ist die Zeit, die Du zum Einatmen hast, recht kurz. Erschwerend kommt noch hinzu, daß Du durch die Nase einatmen mußt, was einen zusätzlichen Atemwiderstand bedeutet. Du solltest einatmen, wenn die Lunge etwa noch zur Hälfte gefüllt ist. Dies ist sehr wichtig, damit Du nicht eventuell anfängst zu hyperventilieren (dann atmest Du zu schnell und zu flach) oder aber die Lunge so leer ist, daß der Einatmungsvorgang zu lange dauern würde. Damit Du in einem möglichst kleinen Zeitintervall möglichst viel Luft in Deine Lungen bekommst, mußt Du in dieser Übung lernen, mit dem Zwerchfell zu atmen. Denn nur mit dem Zwerchfell bist Du in der Lage die Kraft und Schnelligkeit aufzubringen um dies zu erreichen.Wenn Du "normal" einatmest, dann weitet sich der Brustkorb, die Schultern heben sich an und der Bauch kommt etwas hervor. Wenn Du jetzt versuchst mit dieser Atemtechnik möglichst schnell einzuatmen wirst Du merken, daß es nicht funktioniert – es geht zu langsam.

Das Zwerchfell ist ein Muskel und befindet sich direkt unterhalb der Lungen und des Brustkorbs. Versuche einmal, nur mit dem Bauch REFLEXIV zu atmen, also durch das Lösen der Bauchmuskelspannung beim Einatmen und nicht mit dem Brustkorb oder den Schultern. Der Bauch sollte beim Einatmen nach vorn fallen, also dicker werden. Atme stoßweise aus und konzentrierer dich darauf, nicht aktiv einzuatmen, sondern die Luft von selbst wieder in die Lunge einströmen zu lassen. Das geht viel schneller und ist sehr wichtig für die Zirkularatmung.

Sechster Schritt zur Zirkularatmung

Du bist jetzt an dem Punkt, wo Du den gesamten Zirkularatmungszyklus durchlaufen lassen kannst. Übe folgendes: Spiele einen Ton im mittleren Register und blase dabei die Wangen und den Rachenraum möglichst weit auf. Spiele, bis die Lunge etwa noch zur Hälfte gefüllt ist. Unterbreche jetzt das Ausatmen und lasse die Luft aus dem Mundraum in das Mundstück strömen. Gleichzeitig atme kurz und stoßweise mit der Zwerchfell(reflexiv)atmung durch die Nase ein. Schalte jetzt wieder auf Ausatmen um, aber nicht durch die Nase, sondern durch den Mund. Beginne wieder, Deine Wangen und Deinen Rachenraum beim Spielen aufzufüllen.Damit hast Du einen Zyklus durchlaufen, den Du jetzt beliebig oft wiederholen kannst.

Auftretende Probleme

Deine Zeit zum Einatmen ist nur so lang wie Du es schaffst mit dem Luftvorrat im Mund den Ton aufrechtzuerhalten. Daher ergeben sich zwei Ziele beim Üben: Zum einen verbessere Deinen Ansatz dahingehend, daß Du mit möglichst wenig Luft einen schönen tragenden Klang erzeugen kannst und zum anderen verbessere Deine Zwerchfellatmung so, daß Du es schaffst, möglichst schnell einzuatmen.

Durch das Speichern der Luft im Mundraum ergeben sich zwangsläufig Änderungen des Ansatzes und des Klanges. Auch hier zeigt sich, daß - je länger Du regelmäßig übst - eine Entkopplung vom Ansatz erlernbar ist. Je besser Du die Zirkularatmung beherrscht, um so weniger Luft mußt Du zwischenspeichern. Später wird Dir die Luft im Rachenraum ausreichen und Du mußt die Wangen nicht mehr aufblasen.Das schnelle Einatmen mit dem Zwerchfell ist ein Kraftakt, der den ganzen Körper mit einbezieht und damit natürlich auch zu Klangänderungen führt. Im Laufe der Zeit wird das Einatmen aber geschmeidiger und die Zyklusabläufe weicher.

Ein Problem bleibt immer das Umschalten auf das Lungenausatmen, da es hier zu einem plötzlichen Druckanstieg im Mundraum kommt. Auch dies wird im Laufe der Zeit geschmeidiger, läßt sich aber nicht ganz eleminieren. Man kann dieses Problem aber ganz gut überspielen, indem man den Zirkularzyklus mit den Taktschwerpunkten synchronisiert und genau zu diesem Zeitpunkt eine kleine Umspielung oder einen Lauf einbaut. Spielt man sehr viele Zyklen hintereinander, kommt man trotzdem irgendwann an den Punkt, wo es auch mit Zirkularatmung nicht mehr weitergeht. Der Drang mal wieder richtig tief einzuatmen wird einfach zu groß.

Da bleibt nur eins: richtig tief durchatmen!

Ihr kennt das Problem: 20 Minuten Saxophon gespielt und die Unterlippe schmerzt schon, daß man denkt, man hätte sie bereits durchgekaut. Dabei muß das nicht sein. Viele erlernen ihre Ansatztechnik von Klarinettisten, die dem Irrglauben anhängen, Saxophon sei quasi das "Zweitinstrument" zur Klarinette und hätte somit denselben Ansatz. Mit klarem Verstand betrachtet bleibt da nicht viel gemeinsames: Klarinette = zylindrischer Holzkorpus mit anderem Griffsystem und - anderem Ansatz! Der Klarinettist neigt nämlich zum "Lächeln", während er spielt und das wird schnell unangenehm, da die vorherrschende Kieferspannung die Unterlippe stark belastet.

Die RINGSPANNUNG, die der Saxophonist quasi ausschließlich mit der Lippenmuskulatur erzeugt, ist deutlich belastungsfreier und ermöglicht es, die entstehende Schwingung im Rachenraum auf den Gaumen und über diesen in die Nebenhöhlen zu lenken – der Klang wird größer, fetter. Mit dem Laut "O" (Engl. "Four" sprechen") beziehungsweise mit einer Lippenform, die in etwa dem Pfeifen entspricht (am besten einen tief und streng gepfiffenen Ton denken!) oder aber der berühmten Aussage der Queen "we are not amuuused" (Mundwinkel nach unten!) werdet ihr schnell zum Ziel kommen: Das Kinn fällt nach unten, die Zunge sinkt in den Kehlsack, das Gaumensegel hebt sich. Die Lippen umschließen den Ansatz kreisförmig und fest, die Zunge berührt das Blatt von unten in einem Winkel von etwa 45 Grad. Dann Luftdruck aufbauen, der Kehldeckel bleibt IMMER geöffnet, Zunge lösen und der Ton erklingt augenblicklich.

Dann versucht, den Ansatz so weit zu lockern, bis der Ton exakt einen Halbton tiefer ist als gegriffen (z.B. H1 bis zum Bb1 fallen lassen), anschließend den Ton wieder bis zur gegriffenen Tonhöhe anziehen. So lernt ihr, daß der Ansatz flexibel sein kann und ihr euch nicht ins Mundstück verbeißen sollt. Für besonders harte Fälle: Das Mundstück um 90 Grad drehen, dann steht es völlig quer zum Mund. Jetzt versucht, einen Ton zu blasen, aber OHNE euch dabei total zu verrenken. Die Körperhaltung bleibt gleich nur den Kopf dürft ihr leicht drehen. Dann wieder in die ursprüngliche Haltung gehen - euer Ansatz ist deutlich lockerer geworden. Klar, weil die Kopfdrehung auch bewirkt, daß ihr das Kinn nach unten zieht, um überhaupt einen halbwegs normalen Ton spielen zu können!

Für alle, die es noch nicht von den Spatzen zugeflüstert bekommen haben: Growling ist das, was der Laie als "schreiend" oder "rauh" im Saxophonton zu beschreiben versucht. Stilistiken wie Blues, Rock'n Roll oder R&B sind ohne diesen Effekt einfach nicht denkbar. Aber wie gehts?

Singe in dein Saxophon hinein, während du spielst, egal welche Frequenz, einfach reinsingen und der Ton wird automatisch rauh - und wild! Je lauter Du singst, umso mehr "growlt" es. Aber aufgepasst: Der Ton haut ganz schnell ab und wird inkonsistent, sichere Tonbildung ist also Voraussetzung für gutes Growling. Außerdem handelt es sich um einen Effekt, den man geschmackvoll einsetzen sollte. Es sei denn, Du spielst in einer Rock'n Roll-Band – dann ist IMMER Growling-Time!

Übrigens: Ein Kazoo ist eine gute Vorbereitung für alle, denen das Growling nicht sofort gelingen möchte.

Am Markt gibt es eine immer größere Auswahl an Blattherstellern, die tatsächliche Auswahl ist oft aber wegen Lieferproblemen der kleineren Hersteller geringer, als man annimmt. Gutes Holz ist absolute Grundvoraussetzung für ein gutes Blatt und entsteht tatsächlich beim Wachsen. Was beispielsweise in einer Plantage mittels Düngung hochgepäppelt wurde kann nicht jene gleichmäßige, belastbare  Struktur bekommen, die ein wild und dementsprechend langsamer gewachsenes Blatt aufweist. Wobei hier natürlich nicht das Blatt, sondern eine Pflanze mit dem lateinischen Namen Arundo Donax wächst. Die liebt mediterranes Klima und so bemühen sich zahlreiche Hersteller um den Eindruck, ihr Rohmaterial würde ausschließlich aus dem Mittelmeerraum stammen. Was schon angesichts der benötigten Menge nicht sein kann, aber auch in anderen Ländern gibt es klimatisch ideale Regionen, um diese dem Schilfrohr verwandte Pflanze zu kultivieren.

Problematisch wird es erst, wenn Holz aus verschiedenen Regionen gemeinsam verarbeitet wird. Arundo Donax reagiert nämlich ähnlich sensibel wie Wein auf seine Umgebung und so ist Holz aus der Provence schon ganz anders, als jenes aus der französischen Var-Region. Kleine Hersteller wie Alexander, Francois Louis oder Brancher, aber auch ein größerer Hersteller wie Gonzalez können tatsächlich darauf verweisen, nur regional eingrenzbares Holz zu verarbeiten und wie wichtig das ist, merkt man spätestens beim Vergleich der unterschiedlichen Blätter innerhalb einer Packung.

Den Massenmarkt teilen sich die Hersteller Rico inklusive der Marken La Voz und Hemke sowie Vandoren. Die Spitzenklasse bei Rico sind für Jazz- und Popmusiker die Blätter namens Rico Jazz Select, für Klassiker die Blätter Grand Concert, die im Vergleich zu Vandoren etwas leichter ausfallen. Die Jazz Select-Blätter bestechen durch Gleichmäßigkeit von Blatt zu Blatt, eine sehr gute Holzqualität und genauen Schnitt, der langwieriges nachbearbeiten erspart. Die Blätter namens Rico Royal sind in Sachen Qualität gerade noch tolerierbar, während die "normalen" Ricos arg schlecht sortiert sind. La Voz unterteilt seine Blattstärken nicht nach Zahlen sondern von Soft bis Hard. Die Qualität der Blätter schwankt stärker, als bei der Mutterfirma Rico, aber mit entsprechendem Bearbeitungsaufwand kommt man zu befriedigenden Ergebnissen. Hemke schließlich sind eigentlich empfehlenswerte Blätter mit einem klassischen Schnitt, die aber von Liebhabern eines warmen Jazzklangs ebenfalls geschätzt werden.

Vandoren ist die zweite Macht im Markt – auch in Sachen Qualität. Hier gibt es keine Einsteigerblätter, sondern nur verschiedene Blattschnitte, die für die unterschiedlichen Spieltechniken entworfen wurden. "Blau" (oder auch Paris genannt, dabei meint das nur den Sitz der Firma) für die Klassik, drei verschiedene Schnitte namens Java, Jazz sowie Java Red Cut für Jazz und V16 für Rock und Pop. Alle Blattsorten sind hervorragend und ausgeglichen, wenn man auch bei Vandoren saisonal immer wieder Schwächen bei der Holzqualität bemerken kann.

Brancher ist ein kleiner Hersteller, der in den letzten Jahren neu auf den Markt gekommen ist – ausgezeichnete Blätter aus garantiert wild gewachsenem Holz, die für Freunde des jazzigen Grundsounds genau das richtige sein dürften. Der Klassikschnitt namens Opera ist eine sehr gute Alternative für alle, denen Vandoren zu fest und Hemke zu leicht ist. Alexandre ist eine weitere interessante Blattmarke mit charakteristisch-warmem Grundsound und schönem Metalletui, das Gleiche gilt für die Blätter von Francois Louis. Während die drei genannten auf französisches Rohmaterial zurückgreifen, produziert Gonzalez in Argentinien hervorragendes Holz für ebenso gute Blätter.

An dieser Stelle sollen die Kunststoffblätter Fiberreed von Hartmann nicht unerwähnt bleiben: Die Dinger halten fast ewig, klingen allerdings sehr hart und wuchtig.Für ambitionierte Rocker und Funker eine Versuchung wert! Außerdem sind mit Forestone und Legère zwei ausgezeichnete Hersteller von Kunststoffblättern am Markt, die uns beide jedoch nicht davon überzeugen können, ihre Produkte nachhaltig zu verwenden. Und hier kommt nämlich ein wichtiger Hinweis: Kein Blatt ist ein gutes Blatt, wenn es nicht ungefähr so klingt, wie ihr es euch vorstellt. Natürlich ist der Einfluss des Spielers enorm wichtig, doch was nicht passt, muss hier schlussendlich auch nicht passend gemacht werden – dafür gibt es ja ausreichend Auswahl!

Am Ende entscheidet natürlich euer Geschmack und wenn ihr mal was nNeues (und Gutes) auftreiben solltet, lasst es uns wissen!

Ein gutes Blatt ist etwas kostbares, das man auf keinen Fall durch Nachlässigkeit zerstören sollte. Hosenbeine oder das Montieren des Blattes auf dem Mundstück mit zittrigen Fingern sorgen schnell für Risse oder Knicke und das Ende einer kurzen Freundschaft. Der richtige Umgang beginnt schon in den ersten Minuten: Ein neues Blatt sollte man auf keinen Fall länger als 15 Minuten einspielen, bevor man es zur Ruhe bettet, damit es sich wieder entspannen kann. Das Procedere wiederholt man ein weiteres Mal und erst jetzt belastet man das Blatt länger.

Generell sollte man mindestens vier, besser jedoch acht Blätter in Betrieb haben, die man im Kreis spielt und mit aufsteigenden Nummern versieht. So erkennt man sehr gut, welches Blatt als erstes durch die ständige Belastung und das saure Medium im Mund zu dünn geworden ist. Durch die stetig aufsteigende Nummerierung lässt sich außerdem gut erkennen, welches Blatt man zuletzt neu eingespielt hat. Probleme wie "mein tolles Blatt ist kaputt und jetzt finde ich keins mehr, das zu mir passt" gehören so der Vergangenheit an.

Die richtige Lagerung ist natürlich ebenfalls von großer Bedeutung: Glas ist eigentlich das ideale Medium, um das feuchte Blatt völlig glatt antrocknen zu lassen. So gibt es entsprechende Blättercases, in denen man sein Blatt auf kleine Glasplatten spannen kann. Eine etwas schlichtere und nicht ganz so ideale Lösung ist das Reedguard von Rico, in das man das Blatt hineinschiebt. Ist das Blatt aber einmal getrocknet, so kann man Reedguards gut als Dauerlagerstätte verwenden – vorausgesetzt, man schiebt das Blatt nicht allzu fest hinein! Es gibt noch weitere Systeme, die vor allem mit perfekter Feuchtigkeit locken, doch ich habe Zweifel, ob es wirklich gut ist, ein Blatt 24 Stunden feucht zu halten. Zu wahrscheinlich ist dabei die fortschreitende Besiedlung durch winzige Freunde ...

Einige Saxophonisten halten ihre Blätter generell "unter Wasser" bzw. in einer Lösung aus Wasser und Alkohol, doch auch hiermit haben wir beide keine guten Erfahrungen gemacht. Aber: Wem es anders dabei geht, der hat auf jeden Fall Recht, denn auch beim Thema Blätter zählt, was funktioniert!

 

Für alle, die beim rumgerutsche von Tief-H zu Tief-Bb und weiter auf Tief-Cis und rechts von Tief-C auf Tief-Eb schier wahnsinnig werden: 1. Üben hilft und 2. wenn es nicht so recht läuft mit dem kleinen Finger (je nachdem welchen ihr gerade braucht) unter dem Auge (NICHT ins Auge) fest entlangfahren. Ihr werdet merken, es läuft sofort besser - allen Tagescremes zum Trotz hat jeder Mensch genug Fett auf dieser Hautstelle, um damit den kleinen Finger regelrecht zu ölen!